Ein Countdown mit JavaScript

Das Jahr dauert noch:



.



10/05/08

Der Trip

Tag 1
Es begann am 03.06., den ich als schlimmsten Morgen ever im Gedächtnis behalten werde. Ich hatte mir auf der School's-out Party am Abend zuvor eine Art Alkoholvergiftung zugezogen und konnte den ganzen Morgen von Aufstehen über Dusche bist zum ausgelassenen Frühstück weder leben noch sterben. Ich zwang mir ein Glas wasser in den Magen und kotzte es dann sofort wieder in den Flur. Eine viertel Stunde später velrieß ich das Haus mit weichen Knien. In Helsinki fiel mir auf, dass ich meine Brille vergessen hatte. Ich zweifelte an meiner Fähigkeit, einen 1. guten Eindruck zu machen.
Jojo un dThomas fand ich trotzdem. Er stand mit einem Bier in der Hand um 9 Uhr früh auf dem Bahnhof, sie saß auf einem Köfferchen, die Füße etwas voneinander entfernt, die Knie zusammen gelegt, einen Arm im Schoß, den Anderen Angewinkelt, eine Zigarrette haltend - atmete den Rauch aus indem sie den Kopf zur Seite drehte. Händeschütteln, Umarmen, Smalltalk.
Tabakgeruch. Wir schlossen das Gepäck ein und tranken einen Kaffee im Kamppi,gingen am Dom vorbei zur Esplanade, zum Hafen. War stolz auf meine coolen Freunde. War nervös, angespannter Humor.
Wir fuhren nach Suomenlinna - bei der Rückkehr war Thomas bei Bier 11 und laberte einen Haufen Scheiß zusammen. Das überspielte aber, dass weder Jojo noch ich uns so recht aus dem Hemd trauten, kaum sprachen.
Zurück im Zentrum gabelten wir Annna und Niina auf, tranken noch einen Kaffe. Jojo wurde still. Irgnedwann verabschiedeten wir uns. Thomas kam mit mir nach Espoo. Wir gingen auf eine party mit Pierre und den Leuten aus der deutschen Schule. Sauna, DVDs, Musik, Shisha - Pierre und Thomas wetteiferten um eine Mädel, von dessen bester Freundin ich erfuhr, dass sie ohnehin vergeben war.
Gegen 4 legten die 2 die Waffen nieder, zogen ihre TShirts wieder an. Ein toller Oberkörper kann vieles, aber halt nicht alles. Zu dritt ließen wir halb im Suff die Luft aus einem halben duzend Autoreifen entweichen, bildeten uns ein, der Umwelt geholfen zu haben. Zu Hause schlief ich die zweite Nahct in Folge mit Jeans und Pulli.

Tag 2
Am 04. schaffte ich es tatsächlich aus dem Bett und bekam sogar Frühstück hinunter. Fuhr mit Thomas nach Helsinki. Trafen die Mädels am Bus, der uns zum Terminal bringen sollte. Die übrigen ATS wurde kaum begrüßt. Meine Clique bestand aus Separatisten. Auf dem Schiff spielten wir Karten. Die Überfahrt war kurz. Auf dem Weg zum Hotel wurde uns klar, weshalb die Leute mit diesen Fähren fuhren. Das Hafenviertel bestand zu gut 30% aus Alkoholläden. AUf der Rückfahrt würden uns Leute mit Vodka 10er-packs auffallen. Beim Verlassen des Schiffes machten Thomas und ich ein Rennen in Einkaufswagen. Bergab. Im Hotel kam ich als einziger in eine Einzelzimmer mit Ehebett - Schicksal? Eher nciht, denn Jojo war immer ncoh distanziert und war kaum unter 4 Augen zu sprechen. Ging sie mir aus dem Weg?
Es folgte eine Sightseeingtour - Thomas und ich gingen der Gruppe halb mit Absicht verloren - wandelten durch die Altstadt. Ich war froh, mich so um Jojos Gegenwart drücken zu können, die mich innerlich verkrampfen ließ. Schüchternheit, Angst Ungewissheit. Zwar gab sie SSignale, die schienen aber abwechselnd in entgegengesetzte Richtungen zu gehen.
Beim Essen fanden wir die Gruppe wieder. Die Teamer hatten unser verschwinden nach mehreren Stunden offenbar noch nicht bemerkt, die Mädels gratulierten uns fast. Durch die schöne reiche Altstadt ging es zu dne Slums aus billigen aspestgedeckten Holzhäusern und dann zum heruntergekommenen Gefängnis. So hatte man geschlafen, gegessen, war angekommen, rumgelaufen, geflohen, gestorben.
Nach einem kurzen Aufenthalt im hotel geht es zum ABendessen Jeder bekommt einen Kleks Nudeln und ein Stück Kuchen. Mit Jojo geht es inzwischen besser - wir Scherzen rum, wenn auch etwas angespannt. Zweifle daran, dass es reichen wird. Bensen gesellt sich zu uns. Er hat Stress mit der Family, spricht kaum ein Wort.
nahc dem Essen sitzen wir imAbendlicht kurz zu 5. auf einem Platz voller Kneipen. Ein Mädel, dass mit einer umfrage auf eine Touristeninformation aufmerksam machen soll, lässt sich in ein Gespräch verwickeln. Das kann Thomas Oberkörper.
Wir sehen zu, wie die Sonne im Meer versinkt während wir auf der Ruine eines monumentalen Kulturzentrums sitzen. Der Buas aus sowjetzeiten ist inzwischen heruntergekommen und sieht älter aus als die Altstadt, die ihn säumt. Der Moment ist perfekt romantisch - ich traue mich nicht, Jojo, die sihc neben mich gesetz hat, in den Arm zu nehmen, will es aber so sehr. Ein Riss aus roten Haaren in der perfekten Szenerie.
Wir sitzen zu 4. bei den Mädels auf dem Zimmer. Die Frau macht mich wahnsinnig - ich halte das so nicht aus. Lasse verlauten, ich sei erstmal auf meinem Zimmer, allein. Eine halbe Stude warten, dann schickt sie Line vor. Ich bitte Line, Jojo rüber zu schicken. 2 Minuten bis es an der Tür klopft - Zeit genug für einen Schweißausbruch. Das Gespräch ist kühl. Sie hat das Gefühl, "es habe nicht recht gefunkt". Reden ein wenig. Sie ließt mir den lappland-Teil aus ihrem Tagebuch vor. Es muss sie sehr bewegt haben. Sie schreibt klasse un hat das Thema beeindruckend aufgearbeitet. Trotzdem ist es Schnee von gestern, eine Gutenachtgeschichte für eine aufgebrachtes Kind. Sie verrät mir noch, was sie die letzen Wochen so beschäftigt hat. Ich bin sprachlos, sie ist un bleibt weit weg.
Wir gehen su den andern zurück. Während die Lappländer rauchen rede ich mit Line. Sie ist enttäuscht da Thomas tatsächlich kein Interesse zeigt. Ich sage ihr, sie soll die Finger von ihm lassen. Er würde höchstens einen zeitvertraib in ihr sehen, ihr nie geben, was sie sucht. Wider vereint setzen wir uns zurück aufs Monument. Die Sonne geht auf, ein geparktes Auto beschallt das Areal mit Trance. 4 gestaltn hocken, denken.
Auf dem Rückweg pissen Thomas und ich vom Dach. Wir gehen alle auf mein Zimmer. Nach einer langen Kissenschlacht liegen wir Thomas-Max-Jojo-Line auf dem Bett. die 2 anderen pennen ein. Vor lauter Shcüchternheit drehe ich Jojo den Rücken zu. Dann berühert sie mcih mit dem Fuß, ich drehe mich halb zu ihr um, der Rest kommt von allein. Bin halb im Schlaf, bin es nicht mehr gewohnt zu küssen, es muss sich furchtbar anfühlen. Trotzdem wird es intensiver, bis Line zu versehen gibt, doch nicht zu schlafen. Jojo nickt in meinem Arm ein.

Tag 3
Stehe um 5 auf, schlage Zeit tot. Frühstücke mit Anna, erzähle, was passiert ist. Als die Mädels aufkreuzen, habe ich mehr Angst denn je. Thomas und ich besorgen 4 Flaschen Vodka und zwei Stangen Kippen. Es geht zum Schiff, beim Kartenspiel über die Ostsee. In Helsinki schicken wir die Lappen zu mir nach Westend. Ich fahre mit Line nach Tikkurilla und schaffe in einer lächerlichen, total witzigen 4stündigen Aktion im Schweiße mienes Angesichts 3 Packete und einen Koffer für sie zu uns. Das Zeug muss zu Udo, auf den ich später zu sprechen komme.
In Westend essen wir zu viert und gehen dann zum Strand. Wir machen ein Feuer, saufen, toben rum. Irgendwann sitzen wir alle nass vor Meerwasser am Feuer. Als Jojo einen Sprcuh dar+über macht, dass ich ich den Tag über so garnix getraut habe, ziehe ich sie endlich zur Seite.
Ich frage, was sie fühlt, was sie will. Sie sagt nichts und ich erkläre, dass ich mich damit nicht mehr lange zufrieden geben werde. Wir küssen uns aber bald wird es zu kalt - halb nackt und ohne Feuer.
Als wir zurück kommen geht es Line komplett Scheiße. Sie hat sich total Kante gegeben, kotzt sich aus. Ich bringe sie ins Zelt, dass die Lappen im Garten aufgestellt haben. Wir anderen 3 wollen noch in die Sauna, was sich erledigt, als Jojo und ich im Flur allein sind, Thomas aussperren und auf mein Zimmer gehen. Gesprächsfetzen veriegen in nackter Haut und es ist alles andere als erbaulich. Der letzte Satz ist "Es passt einfach nicht, dann schläft sie wieder ein. Ich liege dicht an ihr und fühle mich fürchterlich.

Tag 4
Wir wachen auf, als Thomas beginnt, Steine ans Fenster zu werfen. Die 2 kommen nicht rein. Als ich aufstehe beginnt ein neuer Tag, an dem Jojo und ich uns kaum kennen werden.
Wir kaufen Frühstück bei Valintatalo, lassen uns Zeit. nachmittags machen wir eine Stadtrundfahrt bzw. Rundgang, brechen die aber wegen Desinteresse ab und gehen shoppen. Abends (zer)kocht Thomas Nudeln. Abendprogramm wie am Vortag. Am Feuter lesen wir "Der kleine Prinz", Thomas und ich stammeln es eher. Und wie wir da so sitzen dämmert die Stunde der Wahrheit. Bopasch kündigt einen Spaziergang an, Line bietet sich als Begleitung an. Jojo und ich sind allein. Ich würde gern endlich reden, kurz darauf verfangen sich unsere Lippen ineinander. Rollen durch den weißen Sand.
Wir gehen zum Wellenbrecher hinüber. Unterwegs fällt mir wieder ein, was meine ursprünglicher erwartung gewesen wa.r Ich hatte gesagt, dass ich sie über Gespräche so kennengelernt hatte, dass ich dem auch gerne körperlich Ausdrück verleihen würde. Offenbar konnte ich das, offenbar wollte sie das. Hatte ich erwartet, dass sie mir bei ihrer Ankunft um den Hals fallen würde um mir ins Ohr zun hauchen, ich sei der eine und einzige? Ich haue Mädchen nicht beim ersten Blickkontakt von den Socken, flirte icht mit meinem Oberkörper. Zuneigung zu mir wächst, wenn man sich nahe genug an mich herantraut. Und dazu war noch Zeit.
Als wir auf dem Wellenbrecher saßen und zum ersten mal wirklich ausgelassen schezten, fühlte ich, dass die Spannung verschwunden war. Wir wollten das gleiche, bekamen es beide. Es war süß, wie ich ihr helfen musste, von einem Felsen zum nächsten zu springen - sie hatte Höhenangst. Line und Thomas waren am Feuer eingepennt. Wir setzen uns Arm in Arm dazu, sahen übers Feuer auf das Meer - der perfekte Moment.
Ich schlief mit ihr wieder oben. Es war schön, weil es ohne Angst war. Später sollte ich merken, wie hilflos man im Schlaf ist. Man schläft nicht immer unschuldig.

Tag 5
Am Morgen des 7. fuhren wir nach Helsinki und gingen am Wasser entlang nach Linnanmäki. Jojo hielt meine Hand. Ich kaufte mir nichtmal eine karte für die Fahrgeschäfte - passte auf die Taschen auf. Freute mich, als erst Line, dann Jojo schlecht wurden und sie mir Gesellschaft leisteten. Am Ende bekam ich Lines Karte um mit Thomas Breakdancer zu fahren, traute mcih aber doch nicht. Die Stimmung war den ganzen Tag lang sehr entspannt gewesen. Klare Luft nach dem Gewitter. Literarisch hatten wir allerdings schon die ganze Reise lang strahlenden Sonnenschein. Gegen 5 fuhren wir nach Westend, da uns Kirsi zum Grillen eingeladen hatte. Als sie viel zu spät endlich von der Arbeit kam, merkte ich gleich, dass etwas nicht stimmte. Sie nahm mich auch sehr bald zur Seite und sprach es aus. Sie war am Morgen in mein Zimmer gekommen und hatte mcih und Jojo dort schlafend gesehen. Der ultimative Vertrauensbruch war aufgeflogen und Kirsi war bitter enttäuscht. Ich versuchte mich zu erklären, sie war den Tränen nahe, sagt ich würde sie nicht verstehen. Ich bot ihr an später noch einmal darüber zu reden, sie zweifelte den Nutzen darin an aber versprach mir, dass es unter uns bleiben würde.
das grillen verlief mit gedrückter Stimmung. Zum einen wussten Kirsi, Line, Jojo und ich was los war, zum anderen bestand Kirsi auf finnisch, was Jojo und Thomas nicht sprachen. Am Ende des Essens kam Pierre, um den Abend bei uns am Strand zu verbringen. Später würde er zu Thomas Gastfamilie fahren, da sich die beiden bestens verstanden.
Als das Feuer schon brannte, ging ich noch einmal nach Haus. Ich konnte mich nicht entspannen, solange es mit Kirsi und mir so stand. Johanna hielt auf dem Weg meine Hand.
Kirsi hatte sich schon etwas beruhigt. Ihc sagte ihr, ich hätte niemanden verletzen wollen. Als ATS sei es schwer, zur eigenen Zufriedenheit zu leben, ohne seine gastfamilie zu beeinträchtigen. Ich wolle nicht dass wir in 4 Woche auseinander gehen würden, froh, die Probleme aus dem Weg zu haben. Ich erklärte, es täte mir leid, so grob über die Strenge geschlagen zu sein. Sie sagt mir, davon gehe die Welt nicht unter aber bei einem Zusammenleben sei es wichtig, auf die Absprachen zu hören. Am Ende schien alles OK zu sein. An diesem Abend schliefen wir alle 4 im Zelt.

Tag 6
Am 8. brachen wir nach dem Frühstück nach Helsinki auf. Da wir wie immer beim Aufstehen gebummelt hatten und es in Haus und Garten einiges auf zu räumen gab, mussten wir uns irre sputen. Im Zug wurden wir 11 mal von unseren Plätzen vertrieben und erwischten schließlich Plätze, die niemand reserviert zu haben schien. Die Fahrt habe ich hauptsächlich mit Jojo verbracht, auch wenn ich nichtmehr ganz auf dem Schirm habe, was geredet wurde.
Angekommen in Joensuu, ein lächerliches Nest als Hauptstadt Nordkareliens, erkundigte ich mich mit Line in einer verqualmten Butze, die das Büro des Bahnhofes darstellte, nach dem nächsten Bus nach Karvio. Die Frau hinterm Tresen, die ich mir prima mit Bademantel und Lockenwickler vorstellen konnte, fiel die Fluppe aus dem Gesicht und sie sagte "Heute oder was?". Dann lachte sie uns gewaltig aus. Als sie sich wieder einkriegte, stellte sich heraus, dass es für uns wohl das beste sei, das Zelt erstmal im Joensuuer Stadtpark auf zu schlagen.
So verlief unser Trip zu Udo also nicht so recht nach Plan. Da er gleich ins Spiel kommt, hier vielleicht kurz die Antwort auf die Frage: Who the Fuck is Udo? Udo ist Lines Ex-Sportlehrer. Bei dem durften wir pennen, weil unser Lehrerkind halt seine Lieblingsschülerin ist und wir wollen bei ihm pennen, weil wir eine Aufsichtsperson über 25 brauchen - und Udo ist weit über 25 - eher 60. Wohnhaft in leipzig hat er ein klasse Haus an einem See bei Joensuu. Udo hat nicht nur zu allem eine Meinung, er hat zu allem DIE Meinung, wieß und kann alles besser. Wenn er etwas nicht kann oder weiß, hat entweder seine Tochter eine Medallie darin bekommen, oder sein Sohn hat auf dem Gebiet promoviert. So redet er endlos und brauch pro Gespräch nur ein "Ja" in 5 Minuten um es Dialog zu nennen. Seine Frau Liisa ist still und immer genervt oder zumindest angespannt, so alt wie Udo - jeder würde sie 10 Jahre älter schätzen.
Gastfreundlich waren die 2 dafür sehr. Haben uns überall hingekarrt, alles bezahlt, erlaubt, geregelt etc. Udo hatte auch ein paar echt fundierte Ansichten. Mein bester Kumpel wird er trotzdem nicht.
Noch ein paar beispiele, weil's so schön war. Das ultimative Zitat von Udo ist "Ich kenne Deutschland, ich kenne Finnland, ich kenne EUROPA". Tatsächlich meinte er, in jedem Kaff schon gewesen zu sein, von Läppävaara bis Pinnow. Einmal bretterte er deutlich zu schnell einen Feldweg entlang. Als ich ihn darauf hinwies erzählte er sogleich von seiner karriere als Ralleye-Fahrer und wie er noch manchmal zum Spaß auf 2 Rädern fuhr. Waren wir in der Sauna erzählte er, wie er als junger Mann in Finnland gewesen war und die Finnen versucht hatten, ihm zu zeigen, wo es in der Sauna lang ging. Am Ende seien sie keuchend hinaus gelaufen und er habe selbst nur einen Aufguss gemacht und sich zurück gelehnt.
Diesen Udo rief Line jetzt an. Aber da stand er schon vor uns. Er habe sich, als er unseren Fahrplan gesehen habe, gedacht, dass wir keinen Bus bekommen würden. Da sei er uns holen gekommen.
Wir kamen nach Karvio und er zeigte uns erstmal das Haus, erklärte jeden Lichtschalter. Hörte sich anscheinend gern reden. Die Sauna war ein separates Gebäude mit einem kleinen Nebenzimmer, von dem aus man durch ein großes Fenster den See sehen konnte. In diesem Zimmer nisteten wir uns ein. Es wurde gegessen, Karten gespielt. Thomas hielt bei einer weiteren Kissenschlacht Jojos Kopf kurz in eine große Kerze und fackelte ihr die halbe Frisur vom Kopf. Es stank fürchterlich und das Wachs ging Tage lang nicht aus den Haaren raus. Irgendwann ging es ins Bett - für Line und Thomas. Jojo und ich zogen uns in die leere Sauna zurück. Am nächsten Morgen würden sich die beiden anderen beschweren, sie hätten Angst gehabt, wir würden die von Udo persönlich installierte Brandschutzmauer einreißen. (Peinlich das so zu schreiben aber ich fand's derbe witzig) Ich weiß noch, dass ich mit Jojo, kurz bevor wir uns wieder angezogen haben, durch die Glastür der Sauna auf den See hinausgeschaut haben - Kitsch komm raus, du bist umzingelt.

Tag 7
Udo weckte uns um 9 mit dem Vorwurf, wir haben ja den gnazen Tag verschlafen. dann drängte er sich auf, mit uns zum einzigen Berg in der Gegend zu fahren, dne wir nach einer langen Autofahrt mit zahlreichen beinahe unglaublichen geschichten, dann auch mit ihm erklommen. Der Ausblick war das ganze gerade wert. Zurück am Haus machten Thomas und ich das Ruderboot flott und drehten ein paar Runden auf dem See. Nach dem Essen ging es in die Sauna, die mit Udo weniger entspannend war als ohne. Zum Duschen gab's den See. Als die gastgeber schliefen blödelten wir noch lange herum. Thomas kippte sich ein 50-50-Gemisch Wodka-Wasser hinter die Binde, bis er dem Nachbarn unters offene Fenster kotzte. Line war auch stock steif, sodass sie am nächsten Morgen nicht mehr wusste, dass sie mit mir un Jojo einen Speichelaustausch im Dreieck vollführt hatte.
Als Jojo und Thomas zusammen Baden waren - nackt, wie das hier üblich war - begann ich mir Gedanken darüber zu machen, ob ich eine Zukunft mit ihr hatte. Würde sie die Monogamie durchhalten? Ich war froh über die 2 Wochen Abstand zwischen Reise und YES.

Tag 8
Diesmal durften wir länger schlafen. Udo karrte uns zu einem alten Kloster und ich erlebte einen weiteren heiß geliebten orthodoxen Gottesdienst mit. Jumala!
Am Nachmittag fuhren wir Boot, gingen schwimmen. Abends gaben wir uns gemeinschaftlich die Kante. Thomas und ich lösten eine verlorene Wette ein, indem wir uns gemeinschaftlich schminkten und Küssten. 30 Sekunden war die Absprache - aber die beidem Mädels verpassten es wohl rechtzeitig Stopp zu sagen. Vielleicht kam es mir deshalb so unendlich qualvoll und lange vor. Es ist garstig, sich zum küssenauf einen fremden Schoß zu setzen uns zu merken, dass der andere einen Penis hat.

Tag 9
Aus unerfindlichen Gründen beschlossen wir eine Nacht wenige bei Udo zu pennen als geplant. Also packten wir unsere Sachen, schrubbten den Boden des Zimmers, kratzten die Kleckse aus dem einzigen Sofa (platz nur für 2, alle anderen auf den Boden), verbargen Brandlöcher unter der Tischdecke. Als Rache für die Peinigung am Vorarbend warfen Thomas und ich die Mädchen in den See. Das hat mir Spaß gemacht.
Udo fuhr uns nach Karvio, von dort aus nahmen wir den Bus nach Joensuu. In der Stadt hatte wie 2 Stunden Wartezeit. Ich sah mir mit den Mädels das langweilige Zentrum an, beschaffte Proviant.
Auf dem Weg nach Tampere mussten wir irgendwo nochmal umsteigen. Während auf der ersten Etappe so ein Freak-Mädel neben uns saß, dass grüne Scobydoo-Bänder knotete und ständig telefonierte, wobei sie lässig englische Phrasen einstreute, aber nich antworten konnte, als ich auf Englisch Interesse bekundete, ihr eines der grünen Bänder ab zu kaufen, saß auf der zweiten Etappe eine Mutter mit 2 Kindern bei uns im Wagon, von denen der Jüngere interessant zusah als ich mich mit Jojo in eine freie 2er-Reihe zurückzog - Mama, was machen die da?
In diesem Zug trafen wir auchnoch eine andere YFU-ATS.

In Tampere nahmen wir ein Taxi ins Hotel, in den Hanna schon wartet. Wir gingen in die Sauna und saßen zusammen. Line ging es später am Abend nicht so prickelnd, weil sie befürchtet, Thomas und Hanna würden etwas anfangen. Sie schien sehr unzifrieden mit sich. Jojo tröstete sie und ich versprach, mir morgen im Zug Zeit für sie zu nehmen. das Hotel war die billigste Absteige der Stadt. Die Einrichtung war geschmacklos, die Wände wie Pappe. Thomas Bett stad offnebar nicht immer in diesem Zimmer, da es den Schrank versperrte. Ich schien mit Jojo von einer Klicheehaften Szenerie in die nächste zu geraten, auch wenn ein 2erZimmer zu einem lächerlichen Preis weniger romantisch ist als ein Sonnenaufgang am See.

Tag 10
Als Jojo undich wach wurden war das Frühstück im Hotel bereits vorbei. Fragte mich, ob ich etwas erlebenswertes verpasst hatte, als ich mir später einen BigMc reinschob und mit einem Milchshake hinunterspühlte (In Finnland gab es damals bei Mäkkis noch Milchshakes mit Schokosoße drin.) Den Vormittag über sahen wir uns Tampere an - bzw. die Fußgängerzone. Die Mädels klauten etwas zeug bei H&M, ich kaufte eine Geldbörse und nähte sie um. Später setzen wir uns zu Rax (All You Can Eat) und schlugen uns bei Doppelkopf die Bäuche mit ekeliger Pizza und Kaffe aus winzigen Bechern voll bis es nichtmehr ging.
Als der Rax schloss, setzen wir uns in den Stadtpark. Ein Penner sprahc mich und Line bei einer Rangelei an. Wir machten ihm weiß, wir seien beim Zirkus und würden trainieren.
später am Bahnhof trafen wir Koo - einen Japaner auf einer dieser typischen Europa-Rundreisen. Wir schnackten eine Weile und erklären ihm, Lederhosen und Weißwürste seien nich bayrisch sonderen deutsch. Er erzählte, seine Freundin sei mit ihm auf dem Trip gewesen, hätte ihn aber abgebrochen, weil man ihr den Rucksack geklaut habe (in vielen asiatischen Ländern ist es üblich, dass gesamte Geld für eine Reise bar dabei zu haben).
Im Zug redete ich eine Weile mit Jojo über unsere Zukunft. Ich würde gerne meinen Alltag mit ihr teilen. Sie stört es, keine ältere Beziehung zum Vergleich zu haben. Ich sagte, ich wolle die Sache nciht abbrechen, solange es noch Möglichkeiten gäbe, weil es sonst immer so einen Schatten von "Vielleicht wäre alles besser geworden, wenn" auf die Zukunft werfen würde. Sie äußerte Befürchtungen bei einer Fernbeziehung. Am Ende waren wir wieder froh über die 2 Wochen bedenkzeit.
Nach diesem Gespräch habe ich mich noch mit Line unterhalten. Ich habe versucht zu finden, wo ihr Problem liegt, mit sich selbst zufrieden zu sein. Sie sagt, ich habe ihr geholfen.
Den Rest der Nacht habe ich dann hauptsächlich gepennt. Ein son fetter Penner hat uns noch ständig vollgelabert. Das hab ich noch mitbekommen.

11. Tag
Nach Ankunft in Rollo haben wir dann unseren Krams bei Jojo untergebracht und sind zurück in die Stadt. Also vorher alle noch gedushct und gefrühstückt. In der Stadt haben Line und ich dann Anna kennen gelernt. Mit der sind wir dann alle ins Zoomit, Kaffee trinken, Karten spielen. Nahc dem Aufenthalt dort waren die Mädels dann shoppen und ich hab mich mit Bopasch daran gemacht, uns spezielle YFU-Shirts zu organisieren.
Wiedervereinigung war am Laavu. Die anderen tranken etwas Bier, wir grillten Würstchen und Maschmellows. Bei Jojo mussten Thomas und ich dann im Gartenschuppen pennen weil sie keine Jungs mit nach Hause nehmen durfte. Vorher hatte ihr Gastvater noch ungefragt unsere Rucksäcke durchsucht und einen Haufen Bier gefunden. Mitternachtssonne.

Tag 12
Jojos Gastvater hatte uns bei YFU verpetzt. Das Office überließ es unseren Gasteltern, ob wir nach Hause geschickt werden sollten. Line hatten wir durch etwas Flunkerei entlastet, die anderem konnten alle einen Deal mit ihren Familien machen.
Wir fuhren Zu Thomas, der 40 km außerhalb des Zentrums aber immernoch innerhalb der Stadtgenzen wohnte (Rovaniemi ist flächenmäßig die größte Stadt Europas). DVDs, Sauna, nervige kleine Gastgeschwister. Die letzte Nacht in einem Gartenhaus mit 2 Stockwerken. Wir beide unten.

Tag 13
Zurück ins Zentrum. Dann mit dem Zug nach Oulu runter. gegen Abend waren wir da. Es war Samstag, die Straßen der Studentenstadt waren voller sympathischen Betrunkener. An einer Ecke saß eine gruppe feuchtfröhlicher Männer un kommentierte das Aufterten der Passanten mit Pappschildern als "Gut" oder "Schlecht". Oulu ist vielleicht die 2. schönste Stadt in Finnland, nach der Stadt.
Die nacht verbrachten wir wieder im Zug, diesmal nach Tampere zurück.

Tag 14.
Morgens um 5 kamen wir in Tampere an. Ich war ausgehungert und hatte ewig nicht geduscht. Die Apotheke machte als erstes auf - ich kaufte mir eine zahnbürste. Bis 7 uhr warteten wir verzweifelt vor McDonalds. Dann trafen wir eine YFU-Schülerin aus Argentinien, die uns die Stadt zeigte. Unter anderem gingen wir zu einem Aussichtsturm und an den Fabriken vorbei, die mitten in der Stadt stehen. Line schlief im Park ein und ich erkundigte mcih danach, wie es in Argentinien so sei. Irgendwann ging es zum Zug und zurück in die Stadt.